Cloud4. Februar 20268 Min

Wann sich eigene Infrastruktur lohnt, und wann nicht

Eine ehrliche Rechnung: was Cloud-Hosting kostet, ab wann eigene Server günstiger werden und was dabei gerne vergessen wird.

"Cloud ist teuer" und "Server selbst betreiben lohnt sich nicht" sind beide zu pauschal. Welche Variante günstiger ist, hängt an wenigen Fragen, und an Kosten, die in keiner Preisliste stehen.

Was in der Rechnung meistens fehlt

Beim Vergleich landen fast immer nur die monatlichen Mietkosten auf dem Zettel. Dazu gehören aber:

  • Arbeitszeit für den Betrieb. Updates, Monitoring, Zertifikate, Störungen. Bei eigener Hardware zusätzlich Austausch und Garantie.
  • Bereitschaft. Wer reagiert, wenn nachts um drei etwas ausfällt? Diese Frage kostet Geld, egal wie sie beantwortet wird.
  • Datenverkehr. Bei großen Anbietern ist ausgehender Datenverkehr eine eigene Position und bei datenintensiven Anwendungen schnell der größte Posten.
  • Redundanz. Ein einzelner eigener Server ist nicht mit einem verwalteten Dienst vergleichbar, der Ausfälle selbst abfängt. Für einen fairen Vergleich braucht es zwei Server und etwas davor.

Wofür man Cloud tatsächlich bezahlt

Der Aufpreis gegenüber gemieteter Hardware kauft im Wesentlichen drei Dinge:

  1. Elastizität: Kapazität in Minuten statt in Wochen, und wieder weg, wenn sie nicht gebraucht wird.
  2. Verwaltete Dienste: Datenbank, Objektspeicher, Warteschlangen, ohne dass jemand sie betreibt.
  3. Verlagerte Verantwortung: Hardware, Rechenzentrum, Grundabsicherung liegen beim Anbieter.

Wer keines der drei braucht, zahlt für etwas, das er nicht nutzt.

Wann eigene oder gemietete Server sinnvoll sind

Es spricht viel dafür, wenn:

  • die Last gleichmäßig ist: ein System, das rund um die Uhr ähnlich ausgelastet ist, profitiert nicht von Elastizität;
  • viel ausgehender Datenverkehr anfällt;
  • Datenhaltung vertraglich oder regulatorisch an einen bestimmten Ort gebunden ist;
  • ohnehin jemand da ist, der Systeme betreut.

Wann die Cloud die bessere Wahl ist

  • Die Last schwankt stark oder ist nicht vorhersehbar.
  • Das Projekt ist jung und die Anforderungen ändern sich noch.
  • Es gibt niemanden, der Betrieb übernehmen kann oder will.
  • Es werden viele verwaltete Dienste genutzt, deren Eigenbetrieb ein eigenes Projekt wäre.

Der häufigste Fehler: die Mischung ohne Plan

Teuer wird es selten durch die Entscheidung selbst, sondern durch eine gewachsene Mischung: ein paar Server hier, ein paar Dienste dort, drei Zugangswege, kein einheitliches Monitoring. Der Betriebsaufwand addiert sich, die Vorteile beider Welten heben sich auf.

Wenn gemischt wird, dann bewusst und entlang einer Grenze, die man erklären kann, zum Beispiel: Datenhaltung im eigenen Rechenzentrum, alles Kurzlebige in der Cloud.

Wie man zu einer belastbaren Zahl kommt

  1. Beide Varianten über 36 Monate rechnen, nicht über einen Monat.
  2. Arbeitszeit einsetzen, mit einem realistischen Stundensatz.
  3. Den Umzug einpreisen, einmalig, aber selten klein.
  4. Den Ausstieg mitdenken: Was kostet es, in zwei Jahren wieder zu wechseln?

Wenn nach dieser Rechnung beide Varianten nah beieinanderliegen, entscheidet nicht der Preis, sondern wer das System betreiben soll. Diese Frage ist ehrlicher zu beantworten als die nach dem Preis.

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